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Marktgemeinde Haunetal - Profil und Geschichte

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54 km² Naturlandschaft aus Wald, Feld, Wiesen, Bächen und 15 Ortsteilen charakterisieren die im Zuge der Gebietsreform in Hessen im Jahre 1971/72 entstandene Großgemeinde Haunetal. Sie ist die südlichste Gemeinde im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, dessen Metropole, die Kur- und Festspielstadt Bad Hersfeld, nur 13 km nördlich liegt.

 

Seit dem 16. Mai 1998 darf die Gemeinde Haunetal die Bezeichnung „Marktgemeinde“ führen, die ihr vom damaligen Hessischen Ministerium des Innern und für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz durch den Kasseler Regierungspräsidenten verliehen wurde. Der Gemeindevorstand trug sich schon seit längerer Zeit mit der Idee, vom aktuellen Bauernmarkt ausgehend eine Brücke in die Vergangenheit zu schlagen und durch die Ortsnamenergänzung „Marktgemeinde“ an die alte geschichtliche Bedeutung anzuknüpfen. Nach der Hessischen Gemeindeordnung sind Gemeinden berechtigt, besondere Namen in ihrem Ortsschild und im offiziellen Briefverkehr zu führen, die an eine rechtlich belegte und geschichtlich gegründete Eigenart anknüpfen.

 

Nachdem das Land Hessen das Ansuchen auf die Verleihung der Bezeichnung „Marktgemeinde“ zunächst etwas kritisch betrachtet hatte, weil diese Bezeichnung eher dem süddeutschen Raum zuzuordnen und in Hessen kaum gebräuchlich ist, gelang es der Gemeinde über beharrliche eigene Recherchen und ein daraus hervorgehendes detailliertes fachliches Gutachten aufgrund von Urkunden und Akten aus dem Staatsarchiv Marburg die jahrhundertelange, rechtlich gegründete Markttradition des Hauptortes Neukirchen nachzuweisen.

 

So konnte der Beweis über die Berechtigung der Bezeichnung über die Zugehörigkeit der Haunetaler Dörfer zum Gebiet der Reichsabtei Fulda geführt werden. Fulda verfügte als Reichsstand über die Vergabeberechtigung des Marktrechtes. 1486 hatte der Fuldaer Ritter und Verwaltungsbeamte Albrecht von Trubenbach den Neukirchener Bauern notariell beglaubigt das Recht auf die Veranstaltung von zwei Jahrmarkttagen verliehen. 1698 kam noch ein dritter Markttag dazu. Auf diesem „Nahmarkt“ (Regionalmarkt) hatte die ländliche Bevölkerung die Gelegenheit, ihre Ernteüberschüsse und ihr Vieh zu verkaufen; aber auch Luxuswaren wie Wein und „exotische“ Waren wie Heringe aus Fässern von reisenden Händlern wurden angeboten. Die Markttradition hielt sich über die Jahrhunderte bis in die Neuzeit. Noch 1926 wurde Neukirchen in einem Ortslexikon als „Flecken“ bezeichnet.